„Mein Kopf spricht Deutsch, doch mein Herz spricht Griechisch“

In einem meiner Lieder stelle ich mir die Frage „wie konnt’ ich leben ohne Meer?“

und beantworte mir diese mit „ich weiß es schlicht nicht mehr.“

FEΛIX LEOΠOLD

Interview: Johanna Panagiotou Mamali

Foto: Victoria Mali

 

Felix, heuer bist du in Deutschland und Österreich mit „Lieder vom Meer“ /Τραγούδια της θάλασσας“ auf Tour. Was bedeutet dieses Programm für dich?

Aufgewachsen in einer Stadt, die in einer von Hügeln eingerahmten Mulde liegt, musste ich als Kind schon auf die höchste Erhebung steigen, einem etwas über 400 Meter hohen Kriegs-Trümmer-Berg, um eine Vorstellung von dem Begriff „Horizont“ zu bekommen. Ich war sehr oft dort oben und musste jedes Mal eine richtige Wanderung unternehmen, um das zu genießen, was im Leben mit dem Meer Alltag ist − der weite und offene Blick. Dennoch ist der Blick über eine schön aufgeräumte Industriemetropole ein anderer als der auf diese Naturgewalt „Meer“ hinaus.

Was löst das Meer in dir aus?

Ob still wie ein leicht wölbendes Glas oder wie ein Sturm, beweist das Meer, dass „Kontrolle“ nichts als eine romantische Illusion ist. Der Blick auf das Meer ist auch ein Blick auf die Kleinheit des Menschen und auf sein Ausgeliefertsein. Es schärft nicht nur die Sinne sondern auch das Denken und flößt Worten wie Freiheit, Mitleid, Sehnsucht und Heimat − die im verplanten und durchorganisierten Alltag zu Floskeln verkommen sind − wieder wesentliche Bedeutung ein.

Felix Leopold
Felix Leopold

Griechisch oder Deutsch?

Mein Kopf spricht Deutsch, doch mein Herz spricht Griechisch. Und da dieser Zustand zumindest bei mir keinen Widerspruch darstellt, sondern eher meiner Identität entspricht, möchte ich mich auch nicht darauf einlassen, meine beiden Ländern durch die Frage zu vergleichen, was mir denn nun in dem einen Land mehr und in dem anderen weniger gut gefällt. Denn beide Länder sind wunderbar und die Frage, ob ich denn nun lieber in Griechenland oder lieber in Deutschland leben möchte, lässt sich nur klären, indem ich mir die persönliche Frage beantworte, wie ich gerne leben möchte und was mir wichtig ist.

Wie wurde dein Leben in Hellas durch die Krise beeinflusst? 

Da in solch extremen gesellschaftlichen Krisen wie der heutigen zuerst an der Kultur gespart wird, ist alleine das Überleben als Künstler schon schwer genug. Und dennoch bietet jede Krise auch die Chance der Neuorientierung.

Bist du ein Karrieremann?

Mein Drang, Karriere zu machen, beschränkte sich schon immer auf den Wunsch, als Künstler einigermaßen würdevoll und schuldenfrei über die Runden zu kommen.

Entscheidend ist die Wahrhaftigkeit der Aussage

 

Wie einfach/schwierig ist es, in Griechenland als deutscher Musiker zu leben? 

Auch wenn ich sehr wenig Geld verdiene, dann folge ich wenigstens − so konsequent wie möglich − meiner Passion. Denn nur dann mache ich die beste Arbeit, die mir möglich ist. Man muss kein technisch brillanter Gitarrist und grandioser Sänger sein, um als Liederpoet beachtet und akzeptiert zu sein. Entscheidend ist die Wahrhaftigkeit der Aussage. Ich denke, es ist mir gelungen, authentisch zu sein und zu bleiben.

Wie ist die Resonanz deiner Arbeit in deiner Wahlheimat?

A die Jahre über spielte meine Nationalität in Griechenland weder auf der Bühne noch im alltäglichen Leben eine entscheidende Rolle. Und wenn dann nur positiv. Denn fast alle Griechen, die meine Arbeit kennen, verstehen diese als ein riesiges Kompliment an ihr Land.

Und das soll sie auch durchaus sein.


Wie könne nun unser Leben ohne Leidenschaft, Schmerz und Liebe, Sehnsucht oder Lebenskraft sein? Für den hier vorgestellten deutschen Liederpoeten aus Griechenland FELIX LEOPOLD kommt so was kaum in Frage.

Und davon will er uns, Musikfreunde und Griechenlandliebende, am Donnerstag, 18.05.2017 um 20 Uhr in der Kultur-Schranne Dachau überzeugen.

Felix Leopold lebt die letzten 16 Jahre in Thessaloniki. Dort hat er sich neben der verlockenden südländischen Lebensfreude dem poetischen Liedgut Griechenlands verschrieben.

Viele dieser hochqualitativen Lieder hat er ins Deutsche übersetzt und stellt sie bei seinem Liveauftritt „Lieder vom Meer“ in der Pfarrstr.13, 85221 Dachau vor.

Alle Infos hier: https://www.jopa-arts.com/jopa-on-stage


  • 1962 in Berlin geboren, in Stuttgart aufgewachsen.
  • Mit 15 bekommt er die erste Gitarre und fängt an, Goethe, Rilke und Brecht zu lesen.
  • Es folgen die ersten Gedichtvertonungen und Bühnenerfahrungen.
  • 1984 lernt er seine heutige Ehefrau – eine Sängerin aus Thessaloniki – kennen und begeistert sich sofort von der griechischen Musik. Zum Einstudieren einiger Lieder beginnt er, Lesen und Schreiben zu lernen.
  • 1985 ist er das erste Mal in Griechenland. Anschließend studiert er Germanistik und Philosophie und entscheidet sich trotzdem, sich ganz dem unsicheren Künstlerleben zu widmen.
  • 1986-1991 ist er mit einem eigenen Liedermacherprogramm unterwegs. Parallel arbeitet er als Gebäudereiniger und Kurierfahrer.
  • Der stets wachsende Einfluss griechischer Musik führt 1992 zur Gründung des Quintetts „PAREA“ mit Rembetika (griechischer Blues) und Balladen. Der Gruppe werden Kulturbotschafter-qualitäten zugesprochen.
  • Zur Bestreitung des Lebensunterhaltes begibt er sich von 1993 bis Sommer 2000 in eine Festanstellung als Kurierfahrer und Disponent.
  • Seit Oktober 2000 lebt er mit seiner Ehefrau Anastasia in Thessaloniki. Es folgen die ersten Festengagements als Musiker. Seit 2002 wird er für jede Sommersaison von einem großen Restaurant in Chalkidiki engagiert.
  • Bis 2010 sorgt er, ob solo oder im Duo mit Anastasia und ca. 140 Auftritten pro Jahr samt Dichterlesungen, Radio- und TV-Auftritten für erstaunliche Beachtung.
  • Die letzten Jahre übersetzt er Lieder griechischer Poeten ins Deutsche. Daraus ist sein Solo-Projekt „Liederlyrik in zwei Sprachen“ entstanden, mit dem er seit 2010 jedes Frühjahr auf Tour geht.
  • In seiner stetig wachsenden Liste übersetzter Lieder stehen namhafte Poeten wie Nobelpreisträger Gioergos Seferis und Nikos Kavvadias, dessen gesammelte Gedichte er ins Deutsche übertragen hat.

Medienpartner: Deutsch-Griechisches Magazin DRACHME