Multidisziplinär im Kampf gegen Krebs

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Unter dem Motto Zusammen in Deutschland ganz oben eröffnete Prof. Dr. med. Nadezda Basara, Chefärztin des Malteser St. Franziskus Hospitals, das traditionelle 27. Flensburger und 6. Baltische Hämatologisch-Onkologische Symposium. Jopa & Drachme war eingeladen und darf stolz darüber berichten, was die norddeutsche Krebs-Community in der kleinen aber feinen Stadt in Schleswig Holstein besprach.

Reportage vor Ort: Johanna Panagiotou Mamali

 

Jedes Jahr werden in Deutschland circa eine halbe Million neue Krebsdiagnosen gestellt. Die meisten Patienten werden in spezialisierten Zentren behandelt. Die meisten der mehr als 200 verschiedenen Krebstypen  sind gut behandelbar und heilbar.

Im gut besuchten Seminarraum der „Alten Post“, einem Tagungshotel der hübschen Hafenstadt, präsentierten am 12. November 2016 Krebsspezialisten die neuesten Entwicklungen in ausgesuchten Themen der Krebsforschung, der psychosozialen Krebsforschung und der Palliativmedizin.

 

Prof. Dr. med. Nadezda Basara
Prof. Dr. med. Nadezda Basara

 

TOPIC A: Die psychoonkologischen Aspekte

Trotz der Heilbarkeit dank der medizinischen Entwicklung stellt eine Krebserkrankung für viele Betroffenen und deren Angehörige weiterhin eine große psychische Belastung dar. In diesem Sinne wurden die psychoonkologischen Aspekte anhand des Fallbeispiels einer Patientin mit Bauchspeicheldrüsenkrebs von der Psychologischen Psychotherapeutin Dipl.-Psych. Simone Goerdt-Kotterik (Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart) präsentiert.

 

TOPIC B: Nierenkrebs. Was ist zu tun?

Der Nierenzellkrebs ist eine Erkrankung älterer Menschen, das mittlere Erkrankungsalter beträgt 68 Jahre für Männer und 71 Jahre für Frauen. Jährlich erkranken circa 15.500 Menschen (9.500 Männer und 6.000 Frauen) in Deutschland an einem bösartigen Nierentumor. Etwa ein Drittel von ihnen stirbt daran. Bei etwa 10 Prozent der Patienten liegen zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Lymphknoten- und/oder Organmetastasen vor. Wie Prof. Dr. med. Tillmann Loch, Chefarzt der Urologischen Klinik DIAKO, berichtete, kann bei der metastatischen Erkrankung die Entfernung der tumortragenden Niere allein keine Heilung mehr herbeiführen. Dennoch wird diese Operation bei Patienten mit gutem Allgemeinzustand in den meisten Fällen angestrebt, um danach weitere Behandlungsmaßnahmen mit besserem Erfolg anschließen zu können. Außerdem lassen sich durch die Nierenentfernung beim Nierenkrebs tumorbedingte Beschwerden und Komplikationen, wie Blutungen und Schmerzen, lindern oder von vornherein verhindern.

 

TOPIC C: Eierstockkrebs & Gynäkoonkologie

Dr. med. Horst Ostertag, Chefarzt der Frauenklinik DIAKO, präsentierte die neuesten Behandlungsansätze beim Eierstockkrebs. An Eierstockkrebs erkrankten im Jahr 2012 etwa 7.380 Frauen. Nur 5 bis10 Prozent aller bösartigen Erkrankungen des Eierstocks treten bereits unter dem 45. Lebensjahr auf. Eine Früherkennung, wie beim Gebärmutterkrebs durch den PAP-Test, ist bis zum jetzigen Zeitpunkt ohne einen Einfluss auf die Sterblichkeit geblieben. Ungefähr 75 Prozent der Fälle werden seit Jahrzehnten in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Die Prognose wird wesentlich durch das Ausmaß der operativen Tumorentfernung bei der Primäroperation bestimmt. Frauen mit Eierstockkrebs, die von einem Gynäkoonkologen operiert werden, haben eine bessere Prognose. Im Anschluss an die Operation erfolgt meistens eine 6-monatige Chemotherapie.

 

 

TOPIC D: Hirnmetastasen und paraneoplastische Syndrome

Anschließend präsentierte Dr. med. Rüdiger Buchalla, leitender Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik DIAKO Flensburg, die interdisziplinären Behandlungsansätze von Hirnmetastasen.

Prof. Dr. med. Henning Stolze, Chefarzt der Neurologischen Klinik DIAKO, zeigte interessante Fallbeispiele. Als paraneoplastische Syndrome werden alle Komplikationen von Tumorerkrankungen bezeichnet, die nicht durch die Erkrankung selbst oder durch therapiebedingte Ursachen ausgelöst sind. Sehr häufig ist hier das Nervensystem betroffen.

 

TOPIC E: Oligometastasierung

Dr. med. Athanasios Bagatzounis, leitender Oberarzt der Klinik für Strahlentherapie St. Franziskus-Hospital sprach über die Rolle der modernen Strahlentherapie in der oligometastatischen Krebserkrankung. Die Strahlentherapie ist eine effektive und nebenwirkungsarme Therapie und kann sogar beim metastatischen Krebs eine Heilung herbeiführen. Insbesondere wenn eine so genannte „Oligometastasierung“ vorliegt – das heißt, wenn es nur 1-5 Metastasen gibt – kann eine Hochpräzisionsstrahlentherapie sehr erfolgreich sein.

 

TOPIC F: Palliativmedizin und Suppotivtherapie

Dr. med. Andreas Keßler, Oberarzt im St. Franziskus-Hospital in Flensburg, präsentierte die neuesten Entwicklungen in der Palliativmedizin und der supportiven Therapie. Die Palliativmedizin beschäftigt sich mit der ganzheitlichen Behandlung von Patienten mit einer weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung zu der Zeit, in der die Erkrankung nicht mehr auf eine kurative Behandlung anspricht. Höchste Priorität hat für diese Menschen die Beherrschung von Schmerzen, anderen Krankheitsbesschwerden, psychologischen, sozialen und spirituellen Problemen.

Weiterhin bezog er sich auf einen sehr wichtigen Bestandteil der modernen Krebsbehandlung, und zwar auf die sogenannte „Suppotivtherapie“. Das sind Medikamente und nicht-medikamentöse Verfahren, die zur Vorbeugung oder zur Linderung von Nebenwirkungen der Chemotherapie und Strahlentherapie eingesetzt werden.

Den anregenden Präsentationen folgten interessante Diskussionen und zum Schluss ein nettes Beisammensein, das mir die Gelegenheit bot, die Gastgeberin Prof. Dr. med. Nadezda Basara näher kennenzulernen.

In diesem Rahmen natürlich knüpfte ich auch an ihren serbischen Hintergrund, um auf den schönsten Moment der griechisch-serbischen Freundschaft hinzuweisen: Das große Athener Solidaritätskonzert, das Mikis Theodorakis mit herausragenden griechischen Künstlern im April 1999 gab, um gegen das Bombardement in Belgrad zu protestieren.

Nach diesem kurzen Aufenthalt in Schleswig-Holstein und meiner Bekanntschaft mit herausragenden Persönlichkeiten ist mir klar geworden, dass auch in Orten weit entfernet von den großen Zentren etwas Großes entstehen kann und, dass in diesem Sinne Flensburg nicht nur geographisch gesehen, sondern auch medizinisch ganz oben liegt!