Demokratie in Handschellen

 

 Szenische Lesung im Orpheus Theater

 

 „Wäre ich noch einmal zwanzig, würde sich meine Revolution nicht gegen das Establishment und sein System richten, sondern gegen all jene, die es ertragen“.

 

Mit diesem Satz eröffnet die Münchner „One Woman Show“ Victoria Mali am Freitag, 31. März 2017 um 20:30 Uhr (Einlass: 19:30 Uhr) die Leseinszenierung „Beruf: Hure – Demokratie in Handschellen“ im Orpheus Theater in Flensburg (Marienstraße 1).

Die Bühne eines der kleinsten und feinsten Theaters Deutschlands ist nun – frei nach Udo Lindenberg – „angerichtet“ für eine atemberaubende Performance, konzipiert für kulturpolitisch interessierte Gäste. 

Victoria Mali serviert in ihrer fein abgeschmeckten Leseinszenierung ausgewählte Texte der Schriftstellerin Lily Zografou (1922-1998) und damit einen durchdringenden Blick in die Zeit der griechischen Militärdiktatur (1967-1974).

Garniert wird das liebevoll zubereitete Kulturmenü mit Live- und Konservenmusik, schauspielerischer Darstellung und  theaterähnlichen Elementen.

Victoria Mali

  • Zur Handlung

 Athen, 1967: Vor genau 50 Jahren ergriff die amerikanisch gesteuerte Junta die Macht. Zur Tagesordnung gehörten Zensur, Exil, Folter und Demütigung von intellektuellen und progressiven Bürgern. Darunter auch die Journalistin und Schriftstellerin Lily Zografou, die sich als Studentin während des zweiten Weltkrieges der antifaschistischen Befreiungsbewegung anschloss und von den Besatzern verhaftet und inhaftiert wurde.

Später, im Jahr 1972 − die Militärdiktatur ist nach fünf Jahren mittlerweile etabliert − ist Lily eine anerkannte, dennoch arbeitslose Journalistin. Eine Einladung nach Jerusalem zur befreundeten Dichterin Hanna veranlasst sie, einen Reisepass zu beantragen, der aber wegen angeblich unvollständigen Unterlagen nie erstellt wird.

Die Situation nimmt Lily zum Anlass, dem autoritären Regime den Spiegel vorzuhalten und es mit seiner Absurdität zu konfrontieren. Und so wird die von den Obristen gedemütigte Widerstandskämpferin zum „einzigen Untertan dieses Landes, der es gewagt hat, einen Beruf anzugeben, der absolut im Einklang mit dem Regime steht”.

Im Mittelpunkt der szenischen Lesung steht ein Brief, den Lily Zografou an ihre Freundin Hanna adressierte. Der Text ist nur einer von vielen Zeugnissen, die den kreativen Widerstandsgeist der Tochter eines erfolgreichen Zeitungsverlegers aus Kreta widerspiegeln.


Victoria Mali alias Johanna Panagiotou ist Verlegerin, Produzentin, Dichterin, Filmemacherin (vor Kurzem erschien ihr Kurzfilm “If all Kids” mit Konstantin Wecker), Aktivistin und szenische Vorleserin.

Victoria Mali

Foto: Thanasis B., Jopa Arts

 

  • Weitere Infos 

– Tickets: 15 Euro (Abendkasse) / info@jopa-arts.com 

– Eine deutsche Übersetzung des im Verlag Edition AV erschienenen Titels „Beruf: Pórni [Hure]“, 2006 ist an dem Abend vor Ort erhältlich. 

– Eine Produktion von Jopa Arts. Projekt: Jopa on stageLiterarisches Café (Zeitgenössische Politische Kunst & Literatur)