„Die Weltgemeinschaft sollte Assad erlauben, Chemiewaffen gegen uns einzusetzen…“

Planet Welt, 08.12.2016 (kurz vor Weihnachten)

Die syrische Armee hat nach Angaben des russischen Außenministers Lawrow ihre Angriffe auf Aleppo unterbrochen. So saß ich heute den ganzen Tag im Büro, um mir ein Bild zu machen. Stolz kann ich darüber berichten, dass ich fast alle diesbezüglichen Meldungen verfolgen konnte. Fazit? Was für eine Heuchelei… Fünf Jahre wird getagt und verhandelt, doch eine permanente Lösung ist immer noch unvorstellbar.

Zur Erinnerung: Seit dem Beginn der Offensive syrischer Regierungstruppen auf die Großstadt Aleppo Mitte November sind laut Aktivisten rund 500 Zivilisten ums Leben gekommen. Demnach wurden durch heftige Luftangriffe und Artilleriebeschuss von syrischen Regime-Kräften 384 Zivilisten getötet, unter ihnen 45 Kinder. (Q: http://www.swissinfo.ch).

Der Überfluss an Informationen, hat mich irgendwann zurück in das Jahr 2008 versetzt: Damals habe ich als Studentin in einem Großunternehmen gearbeitet. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich auf die Nachricht reagierte, dass die große Bankenkrise innerhalb kurzer Zeit und durchaus erfolgreich überwältigt wurde. In den Nachrichten ging es damals nur noch um dieses Thema…

Geld ist eben viel wichtiger, als der Mensch selbst

… In einem Augenblick habe ich es gewagt, einen Vergleich zwischen 2008 und heute zu machen. Auch damals ging es eben auch um eine Rettung. Doch sofort wurde mir klar, wie naiv mein Gedanke war: Beim ersten Fall handelt es sich um Geld. Beim zweiten um Menschen. Und Geld ist doch wichtiger als der Mensch. Daher ist es viel einfacher, Geldinstitute statt Zivilisten zu retten.

Je früher wir uns, leider, mit diesem Gedanken vertraut machen, desto einfacher werden wir in der Lage sein, die Absurdität zu verfolgen und das Schicksal der Verfolgten nachzuvollziehen.

Im Rahmen meiner oben geschilderten Gedanken erlaube ich mir Folgendes zu zitieren:

„Ich bin 32 Jahre alt, Apotheker in Erbin bei Damaskus. Seit gestern Abend um zehn bis heute Vormittag hören wir Luftangriffe von russischen und syrischen Jets. Assad hat mehr als 70 Angriffe auf den Osten von Ghuta befohlen. 20 Menschen sind in den letzten 24 Stunden gestorben, 120 Menschen wurden verletzt. Ghuta ist total zerstört. Ich weiß nicht, was sie dort noch kaputt bomben wollen. Wir haben Angst. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, so schrecklich er klingen mag: Die Weltgemeinschaft sollte Assad ruhig erlauben, Chemiewaffen gegen uns einzusetzen. Der Tod kommt dann schneller, als wenn einen eine Fassbombe trifft“.

Abdulsattar Scharaf, Erbin bei Damaskus. Q: ZEIT Magazin, Nr. 50, 01 12 16, S. Merkel-Mails, S. 19.

Ja, uns was ich noch sagen wollte… Frohe Weihnachten an die Weltgemeinschaft!

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Johanna Panagiotou Mamali

Verlegerin & Produzentin

 

 

 

 

Zentrales Foto: UNICEF/UN013175/Al-Issa (Copyrights)

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