Krieg ist ein Verbrechen

                                                                                                                                                                                                                     von Johanna Panagiotou Mamali

15.10.2016

A
m 28. Februar 1986 wurde der Sozialdemokrat Olof Palme ermordet. Ein unnachgiebiger Politiker, ein charismatischer Mensch. Als möglicher Hintergrund wurde unter anderem seine entschiedene Gegnerschaft zum Vietnamkrieg der USA (1960-1975) in Erwägung gezogen.

Zur Erinnerung: 14 Jahre davor verglich Schwedens Ministerpräsident in aller Öffentlichkeit die US-Angriffe auf Nordvietnam mit NS-Verbrechen. Ja, damals gab es solche Stimmen… Heute hört man nur ihren Widerhall.

Und dieses Echo muss immer lauter werden, um uns alle an das Selbstverständliche zu erinnern: Krieg ist ein Verbrechen. (Lesetipp: Der     Spiegel, Nr. 40/1.10.2016).

Schauen wir uns Europa im vergangenen Jahrhundert an: Wir erlebten zwei abscheuliche Weltkriege und die Konsequenzen eines 42-jährigen Kalten Krieges. Und was für eine Lektion wurde uns erteilt?

Meines Erachtens sind es die offenen Wunden und die mit dem 2. Weltkrieg unglaublichen Gräueltaten, die eine direkte militärische Auseinandersetzung zwischen den EU-Ländern verhindert haben. Es sei kein Erfolg der durchgeführten Politik. An letzterem wird eh fast täglich gezweifelt. Nur findet der Krieg auf anderem Boden statt.

So kommt es auch im 21. Jahrhundert zu blutigen Auseinandersetzungen, die aber nicht das Potenzial haben, uns zu erschüttern bzw. zu empören. Da sie nicht vor unserer Tür stattfinden und uns nicht direkt beeinflussen, interessieren sie uns auch nicht. Nur wenn manchmal ihre Konsequenzen (siehe Terrorismus) auch hier übertragen werden, sind wir vorläufig schockiert, kehren aber sofort wieder in unseren Alltag zurück.


Als ich 1981 geboren wurde, fand die Aufnahme Griechenlands in die EG statt. Die Griechen jubelten. Als ich 8 war, fiel die Mauer. Die Deutschen und fast ganz Europa jubelten. So wurde mir klar, dass meine Generation Glück haben wird. Wir werden in einem vereinigten Land, in einem vereinten Europa leben. Ohne Elend, ohne Kriege. Wir haben uns geirrt.

1995 besuchte ich die 9. Klasse. Da fing ich an, die Welt zu entdecken. Ich versuchte zu verstehen, wie diese funktioniert. So erfuhr ich von dem Imia-Konflikt und sah, wie meine Verwandten vor einem griechisch-türkischen Krieg zitterten. Die Eskalation wurde nach einiger Zeit verhindert, der Frieden war wieder eine Selbstverständlichkeit.

Doch im selben Jahr (1995) wurde der Bosnienkrieg beendet, das Abkommen von Dayton unterzeichnet und der unabhängige Staat Bosnien und Herzegowina anerkannt. Und die Bilanz? Ein zerstörtes Sarajevo und 100.000 Tote. Hier verlief der 3-jährige Krieg so blutig, weil unter anderem unterschiedliche Religionen und Kulturen derartig stark miteinander vermischt aufeinandertrafen.

„Der Kampf der Kulturen werde Morgenland und Abendland entzweien“, lautete vor 20 Jahren die These des US-Wissenschaftlers Samuel Huntington. Doch heute ist die Welt unordentlicher, als Huntington sie sich damals überhaupt vorstellen konnte.

Der Washington-Korrespondent der SZ kommentiert: „Die blutigsten Konflikte finden innerhalb von Zivilisationen statt, nicht zwischen ihnen. Im Kongo bringen Afrikaner Afrikaner um; in Ägypten ermorden Muslime Muslime, im syrischen Bürgerkrieg sind wohl mehr Menschen gestorben als bei der US-Invasion im Irak. In den Neunzigern wiederum ist der Westen auf dem Balkan den Muslimen beigesprungen. Am ehesten noch schien Huntington 2001 richtig zu liegen, aber die Al-Qaida-Terroristen sind nie Gesandte des traditionellen Islam gewesen, sondern Entwurzelte, die im Westen einem islamisch gefärbten Nihilismus verfielen“. (Lesetipp: Nicolas Richter, Wo Huntington irrte, SZ, 25.08.13).

Weder die Ideologie noch die Zivilisationen können also die tatsächlichen Gründe für den Ausbruch und die Durchführung von Kriegen sein; sondern die Wirtschaft und der Wohlstand des Westens. Man darf nicht vergessen, dass Waffenexporte eine unserer wichtigsten Einnahmequellen sind. (Tipp zur Selbstüberzeugung: Deutsche Waffenexporte – steiler Anstieg im Jahr 2015, BR 24, 03.07.2016,18:30). Diese ist für mich die einzige Antwort auf die Frage eines Arztes, der mit dem täglichen Tod so vieler Menschen in Syrien konfrontiert ist und in einem Video vor kurzem appellierte: Warum können wir das Morden in Syrien nicht stoppen? Sind 500.000 Tote nicht genug?

In Syrien wird seit 5 Jahren ununterbrochen gebombt. Beim Ansehen der Kinder im Blutbad ist es für mich, als freidenkender Mensch, völlig uninteressant, wer auf den Knopf für die zynische Verbreitung des Todes von Zivilisten drückt.

Assad, Russland, Amerika, Europa. Alle sind verantwortlich.

Aufgrund der Aktualität fokussiere ich auf die Vereinigten Staaten. In den bevorstehenden Wahlen muss nun der amerikanische Bürger zwischen Clinton und Trump entscheiden. Kandidatin und – so wie es aussieht – morgige Weltführerin Hillary Clinton ist eine kriegslustige Person. Sie befürwortete den Irak-Einsatz und jubelte, als sie den verstümmelten Feind in einem Video sah. (Lesetipp: Business Insider, Yanis Varoufakis, Why Hillary Clinton is a „dangerous person“, 03.05.16).

Präsident Paranoia Donald Trump wäre der letzte Mensch auf Erden, den ich verteidigen würde. Es ist aber traurig, sich ansehen zu müssen, wie eine kaltblütige Opportunistin – die ihren Mann und dessen Sperma-Affäre verzieh, nur um eines Tages an die Macht zu kommen – als ein „Erlöser“ dargestellt wird.

Last but not least möchte ich die Leitlinie unserer Zeitschrift und unsere Neutralität ansprechen. Ich fühle mich nicht verpflichtet, diese – samt allen anderen Projekten – zu verteidigen. Ich habe mich einer Ideologie angeschlossen, die das friedliche Miteinander befürwortet. Das war seit Anfang unsere einzige politische Linie. Und diese werde ich bis ans Ende verfolgen, wenn Gott der Gerechtigkeit und Sie, liebe Jopa&Drachme-Freunde, es so wollen.

Mit den besten Grüßen für eine kriegsfreie Zukunft

Ihre Johanna Panagiotou Mamali

Johanna Panagiotou Mamali

Herausgeberin & Chefredakteurin

Drachme & www.jopa-news.com  

 

Text: All rights reserved. Magazin Drachme #30, S. 2. Autorin: Johanna Panagiotou Mamali

Fotos: JOPA & Drachme, Time & Life Pictures/Getty Image

Digitalisierung: Olga Lantukhova