Doppelverlust für die Münchner Griechen

Griechen in München, Copyrights: JOPA
Griechen in München, Copyrights: JOPA

Kommentar

Amoklauf in München, Attacke in Würzburg, Angriff in Reutlingen, Anschlag in Ansbach. Unser schönes Bayern musste diese Woche so einiges durchmachen… Die Woche des Grauens scheint endlich vorbei zu sein. Die Bürger kehren zum Alltag zurück; langsam kehrt auch das Lächeln zurück.

Als Münchner Griechen sind wir jedoch immer noch traurig. Nicht nur, weil wir einen Landsmann am Abend des 22sten Juli verloren haben. Freilich schmerzt es, wenn man einen „eigenen“ Menschen verliert. Nun wurde aber jedem klar, dass der Terror uns alle betreffen kann.

Egal, ob man von einem Amoklauf, oder einen Terroranschlag spricht. Dieses Gefühl der Unsicherheit kann man schwer beschreiben. Ich hatte es, als mein Computer am Tag des Putsches in der Türkei gehackt wurde; meine Landsleute fühlen es jeden Tag seit Ausbruch der Wirtschafts-Katastrophe (das Wort „Krise“ benutze ich bewusst nicht).

Des Weiteren beziehe ich mich auf eine Nachricht, die in den deutschen Zeitungen keine „Schlagzeile“ war, aber trotzdem für Unruhe gesorgt hat. Ich zitiere vom Münchner Merkur (27.6.16): „Keine Gnade mehr für griechische Schule in Berg am Laim. Weil Griechenland wiederholt Fristen nicht eingehalten hat, will die Stadt München einen Notar mit der Rückabwicklung des Grundstückshandels beauftragen“.

Griechische Schule Berg am Laim
                Griechische Schule Berg am Laim
Die Stadt hat es nun getan. Genau so, wie es hier zum Ausdruck gebracht wird: „ohne Gnade“. Selbstverständlich hat die fatale Politik des griechischen Staates versagt, aber den Kindern einer Generation, die wesentlich zum Aufbau der bayerischen Wirtschaft beigetragen haben, gnadenlos das Recht auf eine eigene Schule zu berauben, stellt sicherlich keinen Meilenstein für die mehrmals erwähnte jahrelange bayerisch-griechische Freundschaft dar.

Und wir, die Mehrheit der 30.000 hier lebenden Griechen haben es einfach so akzeptiert und den Ereignissen zugeschaut. Natürlich gibt es Ausnahmen: eine kleine Gruppe engagierter Menschen, die die Welt verändert kann (Zitat: Magraret Mead). Diese wird weiter kämpfen und versuchen nachzuvollziehen, um anschließend den Bürgern zu erklären, wie es dazu gekommen ist. Die Liste der unbeantworteten Fragen wird immer länger…

In den kommenden Ausgaben versuchen wir, manche davon unter die Lupe zu nehmen. Gerne können Sie uns Ihre Einschätzungen, Meinungen und, vor allem, Informationen senden.

Bis dahin wünsch ich allen einen möglichst erholsamen Sommer.

 Johanna Panagiotou Mamali Herausgeberin & Chefredakteurin Deutsch-Griechisches Magazin DRACHME

Johanna Panagiotou Mamali
Herausgeberin & Chefredakteurin
Deutsch-Griechisches Magazin DRACHME

Großes Foto: © jopa-news, Griechen am 25.03.2012 (Nationalfeiertag) auf dem Königsplatz