“Ich liebe das Meer…

von Johanna Panagiotou Mamali


 

…Allein der Blick auf das Blau, löst unbeschreibliche Gefühle in mir aus… Seitdem uns aber (all)täglich Fotos mit Kinderleichen an den grie­chischen Stränden erreichen, hat sich dies geändert. Die Szenen aus unserer Heimat sind nicht mehr zu er­tragen. Oft muss ich hier an den Komponisten Manos Hadjidakis denken, der vom Gesicht des Ungeheuers und der Angst – sich daran zu gewöhnen – gesprochen hat. Und das ist, was mir Sorgen bereitet.

Ferner, erschreckt mich die Apathie vieler unserer Mitmenschen, die den Fehler begehen – die Zuver­sicht zu besitzen – dass sie nie von einem ähnlichen Schicksal betroffen sein könnten.

Über die rechtsradikalen Politiker, die das Flücht­lingsdrama ausnützen, um einen explosionsartigen Zulauf zu bekommen, oder über diejenigen, die einer­seits die Flüchtlingskinder beschenken und gleichzeitig den Syrien-Einsatz – der die Verstärkung der Terror­gefahr und die Vernichtung von Zivilisten zu Folge haben kann – befürworten, fehlt mir jedes Wort.

Auf den griechischen Inseln versuchen Frei­willige und Organisationen, die Ver­triebenen mit eigenen und spärlichen Mitteln vom Tod zu retten, da die EU-Politik auch in diesem heiklen Thema völlig versagt hat. Stattdessen setzt Europa ein Ultimatum zur Schlie­ßung der Grenzen.

Sie verlangt vom Land, die Flüchtlingskrise bis zum 15. De­zember zu lösen. „Gelingt es dem Land nicht, die Grenzen dicht zu machen, dürfen griechische Bürger nur noch mit Reisepass in die EU einreisen“, hieß es. Im Juli erhielt die griechische Regierung von ihren Partnern bis zum 10. Juli, 8.30 Uhr Zeit, für neue Reformvorschlä­ge. „Sollte bis Sonntag keine Einigung folgen, wird der Grexit diskutiert“ hieß es beim damaligen Ultimatum.

Ist das ein Gespräch, in dem das Prinzip der Augenhöhe zwischen Familienmitgliedern herrscht? Ist das tatsächlich das vereinte Europa, von dem wir geträumt haben? Ist das das Europa der Solidarität?

Seien wir mal ehrlich miteinander: Griechenland ist seit 2010 das unge­zogene Kind in der EU-Familie. Fünf Jahre lang wird als „Erziehungs­maßregel„ an den Ohren gezogen.

Doch wie erfolgreich waren diese Maßnahmen? Welche sind die Er­gebnisse? Kann man tatsächlich – wie fälschlicherweise auch im Fall Syriens – von einer Rettung sprechen?

Diese heuchlerische EU-Poli­tik sollte endlich thematisiert werden. Aufgepasst! Das heißt nicht, dass wir hiermit jede Verantwortung ab­lehnen. Ganz im Gegenteil. Schon seit der ersten Ausgabe der DRACHME haben wir es gewagt, unsere Landsleute heftig zu kritisieren. Zu behaupten, alles sei in Hellas toll gewesen, wäre eine Lüge…

Allerdings könnten unglaubliche Ereignisse wie neulich die Übernahme 14 (!) griechischer Flughäfen vom deutschen Konzern Fraport zum Schnäppchenpreis und zu Lasten der griechischen Steuerzahler der Beweis sein, das die damalige (2010) plötzliche Beleuchtung aller Probleme unse­res Staates – das immer die Unterstützung der EU-Regierungen hatte – mög­licherweise eine Methode war, damit am griechischen Volk gezielt Schuld­gefühle erzeugt werden, um seine völlige Unterwerfung vorzubereiten.

Dass dies keine Verschwörungstheorie sein kann, lässt sich daran er­kennen, dass wir uns – wie Sie lesen werden – nur auf Fakten und Daten berufen.

Trotzdem dürfen keinesfalls behaupten, die Wahrheit 100% zu besit­zen. Was wir aber versprechen können, ist dran zu bleiben, um alle ihre Aspekte zu beleuchten.

Es ist ein Kampf für Gerechtigkeit und Meinungsvielfalt, der wie zuvor in unseren Printmedien sowie in dieser Webseite fortgesetzt wird.

Wir bedanken uns herzlich für die bisherige Treue und hoffen, Ihnen auch in diesem digitalen Haus unsere griechische Gastfreundschaft gewähren zu dürfen.

Da diese Zeilen kurz vor Weihnachten (2015) geschrieben wurden, wünsche ich Ihnen Gottes Segen; möge es allen Kindern dieser Welt ein biss­chen besser gehen. Denn wie der große Schriftsteller Nikos Kazantzakis geschrieben hat: „Solange es Kinder gibt, die verhungern, könne es kei­nen Gott geben“.

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