Die Tragödie der Pontos-Griechen

Pontos-Griechen tanzen

Genozid oder ethnische Säuberung?

Von 1914 bis 1923 wurden die seit Jahrtausenden in Trapezunt das heutige Trabzon im Nordosten der Türkei  siedelnden Pontos-Griechen von den Jungtürken verfolgt und systematisch ermordet. Diejenigen, die die Religion wechselten, dürften bleiben; die anderen wurden auch bei der Vertreibung in Gewaltmärschen zu Tode gehetzt. Insgesamt gab es 353.000 registrierte Todesopfer.

Hundert Jahre nach dieser Tragödie, im Herbst 2015, leugnet Griechenlands Bildungsminister Nikos Filis in einem Fernsehauftritt ihre wahre Bedeutung. Er behauptet, die Ermordung und Vertreibung der Pontos-Griechen sei kein Genozid, sondern „eine ethnische Säuberung“ gewesen.

Die Verbände der Pontos-Griechen sowie 45 Abgeordnete des griechischen Parlaments fordern den Rücktritt des Ministers: Seine Äußerung stößt offensichtlich gegen den Parlamentsbeschluss vom griechischen Staat, der seit 1994 die Tatsache des Genozids offiziell anerkennt. Obwohl jeder Staatsbürger seine Meinung (die Diskussion basierte auf ein Artikel von Nikos Filis, den er in der Vergangenheit als Chefredakteur der Partei-Zeitung „Avgi“ unterzeichnete) dazu frei äußern darf, ist eine Leugnung der Genozids seitens eines Vertreters der Regierung nicht gerade intelligent.

Die Redaktion von Drachme & jopa news setzt sich mit den immer noch offenen Wunden der Vergangenheit auseinander und begibt sich auf Spurensuche.

Wo? In München-Westend. In diesem Ort wurde unser Landsmann und Mitglied des Vereins der Griechen aus Pontos e.V. Theodoros Boulgarides am 15. Juni 2005 durch die Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund ermordet. Der Einzelhändler war das siebte Opfer der NSU-Terroristen. Nach dem Mord wurden die Angehörigen durch die bayerischen Behörden monatelang krimineller Machenschaften verdächtigt.

Wir trafen dort Mitglieder des Vereins, die jahrelang für Gerechtigkeit, Anerkennung, Aufbau einer Brücke mit der Türkei und die Vergangenheitsbewältigung kämpfen. Da ihre Vorfahren selbst Vertriebene waren, sprechen sie unter anderem auch ihre Solidarität für die Flüchtlinge in diesem Video aus.